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Vertrauen und Sprache in Geschichte und Gegenwart
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19 October 2026

Vertrauen ist in einer jeden Gesellschaft von größter Bedeutung: Es wird vorausgesetzt, entzogen, gewährt, sprachlich verhandelt und konstruiert. Um Vertrauen wird gestritten und Vertrauensverlust beklagt. Die Frage nach Vertrauensgrundlagen prägt seit langem öffentliche wie private Diskurse und scheint aktuell sogar noch eher an Bedeutung zu gewinnen. In diversen Zeitdiagnosen werden „Vertrauensfragen“ gestellt, es wird ein Bedarf an „Vertrauenskulturen“ proklamiert, aber auch eine rapide Erosion von Vertrauen konstatiert. Vertrauen und Misstrauen werden in der Regel erst dann thematisiert, wenn Vertrauen gefährdet ist, die Sichtbarkeit von Diskursen und Diskussionen über Vertrauen ist also ein Indikator für Probleme des Vertrauens. Vertrauen ist darüber hinaus auch kein statisches Phänomen, sondern es entwickelt sich sukzessive im Laufe sozialer Interaktionen sowohl in der Mikroebene über relativ kurze Zeiträume hinweg als auch über lange historische Zeiträume und Diskurse. Es ist zugleich zu dem interaktionalen und kommunikativen ein kognitives Phänomen, das nicht direkt beobachtbar ist, sondern in Interaktionen ‚mitläuft‘ und sich oft erst über einen langen Zeitraum durch Handeln bzw. verbale Manifestationen offenbart und sich intersubjektiv manifestiert. Sprachliche Kommunikation stellt deshalb einen zentralen Faktor sowohl der Vertrauensbildung als auch der Vertrauenserosion dar, denn Vertrauen wird nicht zuletzt auch sprachlich vermittelt, es ermöglicht Handeln, Kooperation und Kommunikation in der Vergangenheit, der Gegenwart und in der Zukunft; es ist primär über sprachliche Handlungen überhaupt erst beobacht- und analysierbar. Der vorliegende Sammelband setzt sich zum Ziel, das neu entstehende Feld der linguistischen Vertrauensforschung auszubauen und dabei auch einen Blick auf angrenzende Fachdisziplinen zu werfen.
Kristin Bührig, Natalia Filatkina und Wolfgang Imo, Universität Hamburg.
Kristin Bührig, Natalia Filatkina and Wolfgang Imo, Universität Hamburg, Germany.