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Als die Zukunft offen war
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29 August 2026
Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 war die Zukunft Deutschlands offen. Neben dem bald dominierenden Narrativ der staatlichen Einheit und der Beschwörung einer „deutsche Kulturnation“ existierten vielfältige alternative politische Zukunftsentwürfe. Reformorientierte Akteurinnen und Akteure in der DDR hofften auf einen demokratischen Sozialismus, während linke Gruppen in Ost und West einer Vereinigung mit Sorge vor einem großdeutschen Nationalstaat begegneten. Andere verbanden mit dem Umbruch die Erwartung einer grundlegenden Reform der Bundesrepublik.
Aus einer emotionsgeschichtlichen Perspektive stellt Helena Gand individuelle und kollektive Erwartungen an die gesellschaftliche Entwicklung im Umbruch 1989/90 in den Fokus. Sie untersucht alternative Zukunftsentwürfe, die in parlamentarischen Debatten in Ost und West, in den Protokollen des Zentralen Runden Tisches der DDR sowie in Briefen von Bürgerinnen und Bürgern artikuliert wurden. Die Analyse von Emotionen und Erwartungen eröffnet einen neuen Zugang zur häufig verkürzt erzählten Geschichte der Wiedervereinigung und macht die Vielstimmigkeit der Wendezeit sichtbar.
Helena Gand, Jüdisches Museum Berlin, Deutschland