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Die Collage als literarisches Verfahren bei Herta Müller
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29 December 2026

Die in ‚textiler‘ Schneide- und Schreibarbeit angefertigten Text-Bild-Collagen Herta Müllers sind seit 1989 integraler Bestandteil ihrer poetischen Produktion. Die poetologisch ausgerichtete Studie profiliert die experimentelle Sprach-Bild-Lyrik der Autorin vor dem Hintergrund künstlerischer Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts und erschließt die Collage als zentrales literarisches Verfahren des Gesamtwerks. Zudem werden Müllers Texte in bislang kaum beachteten (post)modernen Mediendiskursen von Stereoskop bis Fotografie und Fotomontage verortet. Als Wahrnehmungs- und Textmodell eines ‚Sehens in Details‘ ist die Collage in den Romanen und Essays vornehmlich in ihrem Veränderungspotential konturiert, das eine Transformation der gegebenen Wirklichkeit bedingt: Die Collage ist produktive Aneignung des Wahrgenommenen unter Prozessen der Verfremdung und prononciert Sehen als Erfinden. Die Studie unternimmt eine kunst-, medien- und literaturhistorisch informierte Neuvermessung des collagierenden Schreibens bei Herta Müller, hebt dessen sprachkritisches und subversives Potenzial hervor und macht ästhetische Collage-Verfahren seit der Moderne über die Autorinnenpoetik hinaus für die Analyse intermedialer Gegenwartsliteratur fruchtbar.
Elisa Risi, Philipps-Universität Marburg, Marburg, Deutschland.
Elisa Risi, Philipps-Universität Marburg, Marburg, Germany.