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Die metaphorische Rede von der Sünde als Tyrann
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01 June 2026

Im Römerbrief spricht Paulus häufiger im Singular von „Sünde“ und in vielen metaphorischen Aussagen wird Sünde personifiziert. In der Forschung ist es bisher nicht gelungen einen kohärenten Bildspenderbereich dieser Metaphorik zu ermitteln. Jonathan Reichel zeigt im Anschluss an Lynne Tirrells Anapher-Theorie sowie Textwelt- und Frame-Theorien, dass in Röm 6–8 ein kohärenter Metaphernkomplex und eine source-world im Textverlauf etabliert wird: Die Sünde wird unter Heranziehung des domain des antiken Alleinherrschers metaphorisch so dargestellt, dass sie als Tyrann erscheint. Dafür wird anhand von antikem Quellenmaterial das domain des Alleinherrschers rekonstruiert und gezeigt, wie Paulus in Röm 6–8 das Porträt der Sünde als ein im Menschen wirksamer Tyrann gestaltet, der die Umsetzung des Willens des Menschen verhindert. In dieser Charakterisierung schließt sich Paulus in innovativer Weise an den antiken Diskurs um die Affektkontrolle an und stellt die hamartia als gottwidrige Disposition zum Tun des Schlechten und Gotteswidrigem dar. Das Buch leistet eine kohärente(re) Lektüre der Sündenmetaphern in Röm 6–8 und einen Beitrag zur Hamartiologie und Anthropologie des Apostels.
Jonathan Reichel, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Jonathan Reichel, Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg, Germany.