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Die Wächterstimme im Hohenfurter Liederbuch
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21 April 2026

Mit unikal überlieferten Liedern mit jeweils notierten Melodien ist das Hohenfurter Liederbuch ein Sonderfall der spätmittelhochdeutschen Liederbuchlyrik, der bisher randständig untersucht wurde. Die vorliegende Studie fragt nach der Zusammenstellung der Lieder und versucht eine Neuinterpretation der Wächterfigur im geistlichen Lied. Im ersten Teil werden Aufbau, Aufmachung und Hintergründe der anonym überlieferten Handschrift beschrieben. Der Heterogenität im Liedteil des Hohenfurter Liederbuchs, welcher neben geistlichen Tageliedern auch Weihnachts-, Oster- und ein Krautgartenlied enthält, wird der Blick auf die Rubriken über den ‚grossen sünder‘ als roter Faden gegenübergestellt. Im zweiten Schritt interpretiert die Studie fünf Lieder mit dem Fokus auf das Bekehrungsgeschehen um den ‚grossen sünder‘. Zentral ist dabei eine Wächter- und Wecksemantik, die u.a. aus Kontexten des weltlichen Tagelieds und der christlichen Hymnentradition zehrt. Die Liedinterpretationen decken dabei schrittweise die unterschiedlichen Dimensionen dieser Semantik auf. Insgesamt liefert die Studie entscheidende Erkenntnisse zur Kultivierung von Wachsamkeit, wie sie das hier im Zentrum stehende Liederbuch für das Spätmittelalter bezeugt.
Agnes Casadevall Ferrer, Ludwig-Maximilians-Universität München
Agnes Casadevall Ferrer, Ludwig Maximilian University Munich, Germany