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›Emendatio ope ingenii‹
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13 June 2027

Die lateinischen und griechischen Texte der Antike und des Mittelalters sind uns in einer Form überliefert, die durch das handschriftliche Kopieren mal mehr, mal weniger stark entstellt ist. In der Klassischen Philologie ist es unstrittig, dass Überlieferungsfehler, die in allen Textzeugen zu finden sind, durch Konjekturen, also Vermutungen zum ursprünglichen Wortlaut, emendiert werden dürfen. Die Texte werden an solchen Stellen also nicht mit Hilfe dokumentarischer Evidenz (ope codicum), sondern durch einen Einfall des Herausgebers (ope ingenii) rekonstruiert. Bei Autoren mit reich überlieferter Textgrundlage lässt sich oft relativ sicher sagen, was sie vermutlich geschrieben haben bzw. wozu sie sprachlich und gedanklich fähig waren. Schwieriger ist die Konjekturalkritik hingegen bei kurzen, anonymen Texten, bei Pseudepigrapha oder bei Fragmenten, die auf Papyrus oder Stein überliefert wurden. Der Band versammelt 23 Detailstudien, die 2024 auf einer internationalen Konferenz von Textkritikern aus ganz Europa an der Bergischen Universität Wuppertal vorgestellt und diskutiert wurden. Es handelt sich um die erste Behandlung dieses Themas, das für alle Philologen, die an editorischen Fragen interessiert sind, relevant ist.
Thomas Riesenweber, Bergische Universität Wuppertal, Wuppertal; Carmela Cioffi, Università Ca’ Foscari, Venedig, Italien.
Thomas Riesenweber, University of Wuppertal, Wuppertal, Germany; Carmela Cioffi, Università Ca’ Foscari, Venice, Italiy.