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Eroberung einschreiben
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02 November 2026
Die osmanische Einnahme Konstantinopels 1453 ist als Zäsur und militärpolitisches Großereignis gut erforscht. Dieses Buch fragt, wie Eroberung aus der Perspektive griechischer Eroberter beschreibbar wird, wenn nicht der Verlauf der Kämpfe, sondern ihre sozialen und emotionalen Folgen im Mittelpunkt stehen. Untersucht werden Texte, Bilder und Objekte des 15. und 16. Jahrhunderts, in denen Gewalt, Verlust und Zerstreuung sprachlich, visuell und materiell verhandelt wurden. Sie werden nicht als bloße Klage, Exilliteratur oder Ausdruck eindeutiger Loyalitäten gelesen, sondern als Formen, in denen eine aus den Fugen geratene Gegenwart geordnet, adressiert und weitergegeben wurde. Die Konzepte Trauma und Diaspora dienen dabei nicht der retrospektiven Diagnose, sondern als Brückenkonzepte: Sie machen sichtbar, wie Raum, Zeit, Körper und Zugehörigkeit unter den Bedingungen von Entortung und Abwesenheit neu aufeinander bezogen wurden. So zeigt die Studie, wie griechische Eroberte nach dem Verlust gemeinsamer Bezugsorte Formen der Wiedervergemeinschaftung auf Distanz entwarfen. Sie leistet damit einen Beitrag zu einer Gewaltgeschichte der Vormoderne, die Eroberung nicht nur als Ereignis, sondern als fortwirkende soziale Gegenwart versteht.
Rike Szill, Universität Tübingen.
Rike Szill, University of Tübingen, Germany.