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Feindbild Sophist
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31 December 2026
Der Sophist geniesst in der Forschung einen guten Ruf. Doch in der Literatur ist ab dem späten 5. Jh. v.Chr. Kritik an Sophisten verbreitet. Über Jahrhunderte, literarische Gattungen und geographische Räume bleibt die Kritik ähnlich, wie eine Volltextsuche im Thesaurus Linguae Graecae zeigt. Dieses literarische Phänomen nennen wir „Sophistendiskurs“. Feindbildtheorien erklären dessen lange Dauer und Konstanz.
Der systematische Teil zeigt acht verschiedene Muster des Sophistendiskurses, verortet sie im antiken Bildungswesen und erklärt den paradoxen Nutzen der Polemik.
Der heuristische Nutzen der Arbeit: sie bietet einen methodisch fundierten Umgang mit Polemik im Bereich Bildung und Religion.
Muster des Sophistendiskurses finden sich bis in die heutige Zeit, wenn Intellektuelle zur Zielscheibe von Spott und Häme werden.
Besonders wichtig: Der σοφιστής gilt als Fachmann für den dritten Bereich, d.h. in der Literatur die Fiktion (zwischen Facts und Fake), in der Erkenntnistheorie die Wahrscheinlichkeit (zwischen wahr und falsch). Die Bewertung bleibt jedoch binär, gut oder schlecht. Die Differenzierung der Wahrnehmung führt nicht zu einer Differenzierung der Bewertung. Der Sophist und mit ihm alle Differenzierung gilt als schlecht.
Beatrice Wyss, Universität Fribourg, Schweiz.