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Goethes ›Heidenröslein‹
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19 October 2026

Ines Gries geht in dieser Studie der Frage nach dem Verhältnis von Dichtung und Wissenschaft in Goethes Werk am Beispiel seines Heidenrösleins nach, indem sie den volkstümlichen Charakter des Gedichts untersucht. In Goethes Werk – so die Hypothese – fungiert das Volkstümliche als ästhetisches Paradigma, in dem Funktion und Bedeutung von Kunst und Natur einander entsprechen. Das Volkstümliche hat demnach eine ‚Natur‘, womit gleichermaßen dessen poetisches Wesen sowie der aus wissensgeschichtlicher Perspektive zugehörige Naturbegriff gemeint sind. In drei philologischen, strukturalistischen sowie kulturpoetisch verfahrenden Fallstudien wird diese doppelte ‚Natur‘ des Volkstümlichen auf ihre werkimmanente Relevanz und Bedeutung hin überprüft. Der sich aus dem Volkstümlichen ergebende Naturbegriff bereitet schlussendlich das kulturpolitische Ideal einer ‚Identität in Alterität‘ vor, das der späte Goethe unter dem Begriff ‚Weltliteratur‘ fasst. Diese kulturpolitische Forderung greift das zentrale Motiv des Heidenrösleins auf: So wie das frühe Gedicht eine Kritik an gewaltsamen Aneignungspraktiken formuliert, fordert Goethes weltliterarisches Konzept einen nach ökonomischen Prinzipien gestalteten kulturellen Tauschhandel.
Ines Gries, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Deutschland.