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Handlungsspielräume einer deutsch-jüdischen Familie
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14 December 2026
Dieses Buch rekonstruiert die Geschichte der Wittenberger Familien Bosse und Ledien im Kontext von Nationalsozialismus und Holocaust. Im Mittelpunkt steht der Arzt Paul Bosse, dessen berufliche Existenz und familiäres Umfeld durch antisemitische Ausgrenzung, politische Verfolgung und staatliche Gewalt systematisch zerstört wurden.
Ausgehend von umfangreichen privaten und öffentlichen Quellen werden die Lebenswege mehrerer Familienmitglieder nachgezeichnet, deren jüdische Herkunft – trotz Konversion, Assimilation und sozialer Integration – zur Grundlage ihrer Verfolgung wurde. Entlassung, Entrechtung, Haft, Exil und Tod markieren Stationen, die exemplarisch für die Erfahrung vieler deutsch-jüdischer Familien im Dritten Reich stehen. Über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus behandelt das Buch Rehabilitierung, Restitution und Neuanfang im tief beschädigten gesellschaftlichen Umfeld der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Die Arbeit verbindet mikrohistorische Perspektiven mit übergreifenden Fragestellungen zur Geschichte des Antisemitismus, zur Funktionsweise nationalsozialistischer Verfolgungspolitik und zu den langfristigen Folgen des Holocaust für die Betroffenen und ihre Nachkommen.
Hans-Jürgen Grabbe, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle (Saale).