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Horváth: Schreiben zwischen den Kriegen
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29 March 2027
Ödön von Horváth gilt heute als repräsentativer Autor der Zwischenkriegszeit. Sein Schreiben ist in mehrfacher Hinsicht vom Krieg geprägt. Erstens taucht der Krieg als Motiv in vielen seiner Texte auf, zweitens folgen viele seiner Texte Konfliktnarrativen, Krieg ist also auch als Narrativ wichtig, und drittens ist sein Schreibprozess, seine Schreibszene, geprägt von ‚kriegerischen‘ Vorgängen, indem er streicht, schneidet und klebt, um die Texte pointierter und griffiger zu gestalten. Darüber hinaus untersucht Horváth in seinen Texten zeitgeschichtliche Phänomen wie Krise und Krisenbewusstsein, Utopien zu seiner zeitgenössischen Gegenwart, Migration, Feste und Skandale sowie tradierte literarischen Figuren wie Figaro und Don Juan, die er in seine Zeit versetzt. Für Horváths Schreibweise hat sich in der Forschung der Begriff der ‚Montage‘ etabliert, der nicht nur auf die Prosa, sondern auch auf die Dramen fruchtbar angewendet werden kann. Die in der vorliegenden Studie untersuchten Aspekte Krieg als Motiv, als Narrativ und als Schreibweise können als Phänomene einer montagehaften Arbeits- und Schreibweise aufgefasst werden. Der Begriff der ‚Montage‘ ist also bei der Betrachtung der Horváth‘schen Schreibweise nach wie vor state of the art. Horváths Schreiben ist in seiner Fokussierung auf den Kriegs- und Krisendiskurs, in seiner Verarbeitung von Kriegsnarrativen und in seiner Verwendung montageartiger sowie intertextueller Verfahren ein exemplarisches Schreiben zwischen den Kriegen.
Nicole Streitler-Kastberger, Universität Graz, Österreich.