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Nation als Stereotyp
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16 May 2000

Der Tagungsband zum Stuttgarter Kolloquium »Deutsch-französische Wahrnehmungsmuster und das Konzept nationaler Identität im 18. und 19. Jahrhundert« revidiert, von einem konstruktivistischen Verständnis von Nation ausgehend, die komparatistische Frage nach dem "Bild", das die Literatur von dem Fremden vermittelt. Aus sozial-, literatur- und geschichtswissenschaftlicher Perspektive untersuchen die Beiträge am Beispiel von deutschen und französischen Texten zwischen Aufklärung und Vormärz das Verhältnis von Nationalstereotypen, Wahrnehmung bzw. Darstellung des Fremden und Identitätsbildung.
Inhalt: Horst Thomé, Vorbemerkung. - I. Identitätskonzepte: Hans Manfred Bock, Nation als vorgegebene oder vorgestellte Wirklichkeit? Anmerkungen zur Analyse fremdnationaler Identitätszuschreibung. - Gonthier-Louis Fink, Der deutsche National- und Regionalcharakter in der Sicht der Aufklärung. - Conrad Wiedemann, Montesquieu, Hölderlin und der freie Gebrauch der Vaterländer. Eine französisch-deutsche Recherche. - Joseph Jurt, Symbolische Repräsentationen nationaler Identität in Frankreich und Deutschland nach 1789. - II. Deutsch-französische Wahrnehmungen: Klaus Malettke, Kaiser, Reich und Reichsstände in der »Encyclopédie«. - Gérard Laudin, Das Deutschlandbild in den Zeitschriften »L'Esprit des Journaux«, »Le Journal Encylopédique« und »Gazette universelle de littérature« im Kontext der Rezeption deutscher Literatur in Frankreich. - Axel Kuhn, Von der deutsch-französischen Verbrüderung zur Franzosenfeindschaft. Die Jenaer Studentenbewegung zwischen 1789 und 1817. - III. >Nationalcharakter< und Stereotyp: Sven-Aage Jorgensen, Der deutsche Bramarbas. - Rita Kopp, Nationale Stereotype in der »Année littéraire« (1754--1790). Beobachtungen. - Mirjam-Kerstin Holl, Stereotype Wahrnehmungen in deutschen Berichten aus dem Paris der Jahre 1789--1799. - Gerhard R. Kaiser, >Volksgeist< und Karikatur in Bertuchs Zeitschrift »London und Paris«. - Renate Stauf, Interkulturelle Kopfgeburten. Deutsch-französische Planspiele am Beispiel Heines und Börnes. - Christoph Grubitz, Deutsche Tiefe und französische Höflichkeit. Zur Politisierung einer Leitunterscheidung in den Paris-Berichten des Vormärz. - Ruth Florack, »Weiber sind wie Franzosen geborne Weltleute.« Zur Verschränkung von Geschlechter-Klischees und nationalen Wahrnehmungsmustern.