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Präventionsfantasien
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03 August 2026
Die präventive Sorge vor der Zukunft bestimmt das Alltagshandeln einzelner Menschen und die Selbstorganisation ganzer Gesellschaften. Allerdings lässt sich der Erfolg von Prävention kaum überprüfen: Die strukturelle Fiktionalität von Unheilserwartungen und Schadensprognosen, die präventives Denken und Handeln anleiten, rückt diese in die Nähe literarischer Fiktionen. Umgekehrt wird auch in der Literatur selbst präventives Zukunftsdenken verhandelt. Wo liegen dennoch die Unterschiede zwischen der Fiktionalität präventiv handlungsleitender Zukunftserwartungen und jener Fiktionalität, die Merkmal literarischer Erzählkunst ist? Und inwiefern macht die Frage nach der Sicherung unsicherer Zukünfte die Literatur heute zu einer anderen Literatur, als jene anderer Zeiten?
Ausgehend von Analysen aktueller US-amerikanischer Spielfilme und Romane unternimmt der Autor eine Relektüre der soziologischen und diskursanalytischen Literatur zum Thema Prävention und gewinnt neue Perspektiven auf zentrale Kategorien der Literaturwissenschaft wie Plot, Fiktion und Narration.
So trägt die vorliegende Arbeit zur begrifflichen Differenzierung und kritischen Bearbeitung eines wirkmächtigen Zukunfts- und Gegenwartsdiskurses bei – ein Diskurs, der im Zusammenhang mit Kontrolle, Angst und Sorge steht, aber auch überraschende Möglichkeiten zu Partizipation, Emanzipation und Utopie bereithält.
Johannes Becker, Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin.
Johannes Becker, Humboldt-Universität zu Berlin, Germany