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Rekonstruktion einer Pietistenbibliothek
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07 June 2005
Als Johann Friedrich Ruopp 1708 im Alter von nur 36 Jahren starb, vermachte er seine gesamten Bücher dem Halleschen Waisenhaus. Heute gehört dieser Nachlaß zum ältesten Bestand der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen. Die Arbeit von Michaela Scheibe legt nun auf der Grundlage zweier handschriftlicher Verzeichnisse sowie der ältesten Kataloge der Waisenhausbibliothek einen 359 Nummern umfassenden, durch zahlreiche Register erschlossenen Katalog der Büchersammlung Ruopps vor. Gleichzeitig werden die methodischen Probleme und Möglichkeiten der Provenienzforschung, insbesondere der exakten Provenienzbestimmung exemplarisch dargestellt. Die eingehende Analyse des Büchernachlasses in der Einleitung zum Katalog verleiht der in der Forschung meist nur als pietistischer Liederdichter bekannten Gestalt Ruopps erstmals Profil als einem zunächst vom orthodoxen Umfeld seiner Heimatstadt Straßburg geprägten, dann aber zunehmend vom Pietismus Hallescher Prägung beeinflußten Theologen, der schließlich zu einem der Protagonisten im Straßburger Pietismusstreit wurde. Darüber hinaus leistet die Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Frühgeschichte der Bibliothek der Franckeschen Stiftungen.
"Ein Buch aber liegt vor uns von gewichtigem Verdienst und Nutzen."
Hans-Jürgen Schrader in: Pietismus und Neuzeit 35/2009