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Spielräume des Entscheidens in den Prosaromanen Georg Wickrams
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13 November 2026

Wer sich entscheiden muss, hat die ‚Qual der Wahl‘: Als Antwort auf ein Entscheidensproblem stehen unterschiedliche Handlungsalternativen zur Auswahl. Nicht alle lassen sich zugleich realisieren; die beste Option kann in der Regel nicht ohne Weiteres bestimmt werden. Sich trotzdem festzulegen bedeutet, Risiken einzugehen. In Form von historisch variablen Narrativen vermitteln Kulturen Orientierung stiftende Leitfäden der Entscheidungsableitung und diskursivieren mitunter konfligierende Anforderungen an Entscheidenshandelnde. Im literarischen Erzählen können von Kommunikationsgemeinschaften geteilte Annahmen über die Kriterien guter oder schlechter Entscheidenshandlungen tradiert und problematisiert werden. In diesem Kontext werden auch anthropologische Positionsbestimmungen entfaltet, die die Entscheidensgewalt des Menschen über den Verlauf seines Lebens in Konkurrenz zu dem Einfluss göttlicher Vorsehung, sozialer Determination oder sinnentleerten Zufallsereignissen diskutieren. Anhand der Prosaromane Georg Wickrams untersucht diese Studie narratologische sowie diskursgeschichtliche Aspekte frühneuzeitlichen Erzählens vom Entscheiden und geht dabei der Frage nach, in welchem Umfang einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren des 16. Jhs. Zumutungen des Entscheidens als Komponenten der conditio humana ausgestaltet.
Tim Meyer, Universität Münster.
Tim Meyer, University of Münster, Germany.