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Syphilis in der Literatur der Frühen Neuzeit (1496–1540)
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29 December 2026
Ende des 15. Jahrhunderts wird die Syphilis in Mitteleuropa als neue Seuche wahrgenommen. Die vorliegende Studie zeigt, wie diese Krankheit literarisch konzeptualisiert wird, bevor sich Mitte des 16. Jahrhunderts eine sexualisierte, misogyne Krankheitskonzeption verfestigt. Gegenstand der Untersuchung sind deutsche, französische und neulateinische Texte von Flugschriften und Einblattdrucken über die Colloquia familiaria des Erasmus von Rotterdam bis zu Girolamo Fracastoros epischem Lehrgedicht Syphilidis sive Morbi Gallici libri tres. Als Faktoren, die bei der poetischen Produktion von Wissen und Bedeutung eine Rolle spielen, werden mediale Affordanzen, Gattungskonventionen, poetische und (bildungs-)politische Programme ebenso berücksichtigt wie die kommunikativen Funktionen von Texten in ihren Entstehungs- und Zirkulationskontexten.
Wie sich auf Basis mikroskopischer Close Readings der untersuchten Texte zeigt, bewegt sich die literarische Konstruktion der Syphilis vom Deutungsschema der Pest zum Deutungsschema der Lepra, von einer kollektiven zu einer individuellen Schuldzuweisung und von einem makrokosmischen zu einem mikrokosmischen Geschehen. Zunehmend moraltheologisch gefasst, wird Syphilis von einem Gegenstand zu einem – satirisch entlarvenden – Mittel der Erkenntnis.
Lea Reiff, Philipps-Universität Marburg, Marburg.
Lea Reiff, Philipps Universität Marburg, Marburg, Germany.