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Vom Leser zum Autor: Der Topos der Lektüre in Elias Canettis Autobiographie
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14 December 2026
Die vorliegende Studie fragt nach der strategischen Dimension der Lektürebeschreibungen in Elias Canettis mehrbändiger Autobiographie. Gegenstand der Analyse sind daher die rhetorisch verfassten Positionierungen, die im Kontext von Lektüreszenen entwickelt werden. Dieser Ansatz versteht sich als eine Zusammenführung von literarischer Rhetorik und Feldtheorie: Die von Bourdieu definierten Positionierungen im literarischen Feld werden innerhalb der Autobiographie als Sprachakte verstanden und als rhetorisches Instrument der Selbstinszenierung und Selbstverortung untersucht. Welche Rollen spielen Differenz und Vergleichbarkeit bei der Kommentierung von in der Autobiographie gelesener Literatur? Wie sind die Positionierungen beschaffen? Wie wird Differenz, verstanden als Traditionsbruch, rhetorisch vermittelt? Auf welche persuasiven Strategien wird dabei zurückgegriffen? Neben der glaubwürdigen Darstellung der eigenen Bildungsgeschichte, seiner Genese zum Dichter und der Entwicklung eigener poetologischer Standpunkte dienen Lektürebeschreibungen Canetti nicht zuletzt dazu, sich selbst im Kontext der ‚Klassischen Moderne‘ zu verorten. An seinem Beispiel nähert sich die Studie somit einem konkreten Phänomen innerhalb der Autobiographien von Schriftsteller:innen: Wie und warum schreiben sie darin über ihre Lektüreerlebnisse, über literarische Vorbilder und Feinde?
Carl Philipp Roth