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Vorzeichen und ihre politische Bewältigung in der Vormoderne
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29 November 2026

Das Vorzeichenwesen und sein Einfluss auf das politische und militärische Handeln in vormodernen Machtzentren stehen im Mittelpunkt dieses interdisziplinär angelegten Sammelbandes. Vorzeichen werden als kontingente, aber bedeutungstragende Ereignisse verstanden, die im religiösen und kulturellen Kontext nicht nur als göttliche Zeichen interpretiert, sondern auch zur Entscheidungsfindung und mitunter zur gezielten Beeinflussung und Manipulation herangezogen werden konnten. Sie dienten der Legitimation, Mahnung oder Prognose zukünftiger Entwicklungen und waren eng mit Zeitlichkeit und kollektiver Erinnerung verknüpft. Historisch wurzelt das Vorzeichenwesen in der antiken und biblischen Tradition: In der klassischen griechischen und römischen Welt hatten Orakel, Prodigien und Träume zentrale Bedeutung, und die Beschäftigung mit solchen Praktiken – häufig verbunden mit apokalyptischen und theologischen Vorstellungen – setzte sich auch in den christlich geprägten Gesellschaften fort. Bislang wurde die Relevanz der Vorzeichendeutung in der Forschung meist nur punktuell behandelt. Der vorliegende Sammelband zeigt hingegen, dass diese Praxis keine Randerscheinung oder bloß gelehrte Diskussion war, sondern einen integralen Bestandteil unterschiedlicher politischer Kulturen im gesamten mediterranen und europäischen Raum bildete.
Michael Grünbart, Universität Münster, Deutschland