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Wege der kontrafaktischen Literatur
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13 April 2027

Während die historische Literatur der Gegenwart in der Mehrzahl altbekannte Topiken klischeehaft reproduziert, verarbeitet die kontrafaktische Literatur historische Stoffe abweichend vom Mimetismus und zeigt hohes Potenzial dafür, wie Geschichte in ästhetischer und erinnerungskultureller Hinsicht produktiv verarbeitet werden kann. Untersucht werden in der Arbeit kontrafaktische und parahistorische deutschsprachige Texte auf ihren Umgang mit ikonischen Superzeichen der Geschichte, ihren Verhandlungsmodi historischer Narration und auf ihr Erinnerungspotenzial hin. Dabei legt die Arbeit dar, dass diese Literatur einen Umgang mit Historie und ihren Paradigmen offenbart, der von affirmatorischen Gesten bis hin zu Destruktionen und Entleerungen reicht.
Die Studie schließt eine Forschungslücke, indem sie erstmals systematisch deutschsprachige kontrafaktische Texte einer Analyse unterzieht und deren Entwicklungslinien konsequent nachzeichnet. In ihren differenzierteren Ausprägungen – in Literatur und im Film – löst sich die Kontrafaktik zunehmend vom historischen Realismus ab und von der Prägnanz ikonischer Superzeichen. Gerade in der Entleerung und Destruktion dieser Zeichen erschließt diese Literatur Formen multidirektionaler Erinnerung. Die Arbeit leistet damit einen grundlegenden Beitrag zur Erforschung kontrafaktischen und parahistorischen Erzählens.
Brahim Moussa, Institut Supérieur des Langues de Tunis, Université de Carthage, Tunis, Tunesien.
Brahim Moussa, Institut Supérieur des Langues de Tunis, University of Carthage, Tunis, Tunisia.