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Zeit am Tisch
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14 December 2026

Kostbare Tischgefäße des Mittelalters haben sich aus vielerlei Gründen kaum erhalten: Sie dienten nicht selten als temporäre Wertanlage, die umgearbeitet, modernisiert oder eingeschmolzen werden konnte. Die Email- und Goldschmiedearbeiten der französischen und burgundischen Höfe vermittelten figürlichen Darstellungen, die zugleich weitere Zeitschichten öffneten: Literarische Kontexte aus Gegenwart und Vergangenheit treffen auf ein sukzessive sich änderndes Bildpublikum. Tischgefäße sind ihrerseits wichtige Zeitmarkierungen. Viele wichtige historische Ereignisse werden mit einem gemeinsamen Mahl begonnen oder abgeschlossen. Komplexe Rituale der Gastfreundschaft konnten zum Anlass von politischen Ereignissen, nach kriegerischen Auseinandersetzungen, Hochzeiten und anderer Festivitäten eine ordnende Funktion haben, bei denen die Artefakte als Geschenke und auch als Nutzgegenstände eine zentrale Rolle spielten.
Die Inventare des 14. und 15. Jahrhunderts weisen auf reichhaltige Materialien und damit verbundenen Praktiken hin – während nur ein verschwindend geringer Teil erhalten ist. Das Buch führt aus der Perspektive der erhaltenen und verlorenen Objekte die unterschiedlichen Zeitebenen zusammen, die auf der spätmittelalterlichen Festtafel zusammenkommen.
Cornelia Logemann, Ludwig-Maximilians-Universität, München.
Cornelia Logemann, Ludwig Maximilians University, Munich, Germany.